Wenn man an Unterwäscheproduktion in Deutschland denkt, fällt mit Sicherheit ein Name: Schiesser. Wie kaum ein anderer Textilhersteller haben die Produkte der Marke – speziell der Feinripp - einen legendären Ruf erhalten. Lange Zeit als Sinnbild für die Prüderie in deutschen Schlafzimmern verschrien, konnte die Marke doch lange Zeit durch Ihre Qualität überzeugen und wurde in jedem gut sortierten Unterwäsche Shop in den Einkaufsstraßen und im Internet verkauft. Egal ob Feinripp oder Doppelripp, Schiesser Unterwäsche verkaufte sich trotz aller Unkenrufe. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der sich ausbreitenden Globalisierung, stand auch dieses deutsche Traditionsunternehmen vor grundlegenden Veränderungen. Durch den steigenden Kostendruck durch günstige Produktion in osteuropäischen und ostasiatischen Ländern musste auch Schiesser eingestehen, dass die Produktion seiner Wäschestücke in Deutschland zu einem Wettbewerbsnachteil geworden war.
Durch das starke Wachstum von Wäschekäufen in günstigen Kleidungsgeschäften wie Takko oder Kik, musste sich Schiesser in den darauffolgenden Jahren immer weiter konsolidieren und schloss nach und nach alle größeren Produktionsstätten in Deutschland. So sank die Mitarbeiterzahl von 7.000 im Jahr 1996 auf aktuell 1.770! Dennoch konnte das Unternehmen den Abwärtstrend nicht entscheidend stoppen und schaffte es lange Zeit nicht, den hohen Bekanntheitsgrad in Deutschland (bei Wikipedia wird von sehr starken 95% Markenbekanntheit gesprochen) in finanzielle Umsätze umzuwandeln. In Kombination mit „unrentablen Lizenzverträgen“ mit Unternehmen wie Puma oder Tommy Hilfiger, für die Schiesser die Produktion der Wäschestücke übernahm, kann das Unternehmen immer stärker in finanzielle Schwierigkeiten. Diese Turbulenzen endeten im Jahr 2009 damit, dass Schiesser einen Insolvenzantrag stellen musste. Aktuell scheint sich die finanzielle Situation des Unternehmens grundlegend gebessert zu haben und laut übereinstimmenden Zeitungsberichten darf von einem Börsengang des Unternehmens für das kommende Jahr 2011 gerechnet werden. Man darf gespannt sein, welche Kleidungsstücke die neuen Kollektionen an Herren- und Damenunterwäsche hervorbringen werden
Über Schiesser
Gründung: 1875 in Randolfzell (Süddeutschland)
Gründer: Jacques Schiesser
Mitarbeiter: 1.770 im Jahr 2010