Jagdwaffen und Jagdgeschosse

Die Geschichte der Jagdwaffen

Seit es uns Menschen gibt, sind wir Jäger. Und seit wir jagen, benutzen wir Waffen. Im Unterschied zu anderen Beutegreifern sind wir körperlich nicht gut ausgestattet. Wir haben weder scharfe Krallen oder Klauen und auch unsere Fangzähne sind nicht gerade furchteinflößend.  Wir haben jedoch eine Waffe entwickelt, die alle anderen tierischen Hilfsmittel schlägt: Unser Gehirn, welches uns befähigt Werkzeuge herzustellen und zu benutzen..

Zwar können auch Krähen und einige Affen einfache Werkzeuge herstellen und Bonobo-Weibchen jagen nach neuesten Erkenntnissen sogar mit "Speeren", aber der ungeschlagene Meister in der Werkzeug- und Waffenherstellung ist nun einmal der Mensch. Unsere Fähigkeit zur Arbeitsteilung und zum Austausch von Wissen mittels Sprache hat es uns ermöglicht, mehr und bessere technische Lösungen für viele Probleme zu finden, als alle anderen Tiere. Und das war bitter nötig. Menschenkinder brauchen sehr lange, bis sie sich selbst versorgen können und auch die Mütter dieser Kinder müssen eine lange Zeit von der Gemeinschaft mitversorgt werden.

Durch die Geschichte hindurch hat der Mensch eine ganze Anzahl von Waffen und Werkzeugen für die Jagd entwickelt. Die Prinzipien jedoch sind seit der Steinzeit gleich.

Ein geworfener Stein ist die Urform aller Projektilwaffen. Aus ihm entstanden die Schleuder, um den Stein schneller als mit dem Arm beschleunigen und werfen zu können und der Speer, auch mit Speerschleuder.

Blasrohr, Bogen und Armbrust sind im Prinzip nichts anderes, als Vorrichtungen zum sehr schnellen Schleudern kleiner Speere. Um die Wirkung noch zu verstärken wurden besonders Pfeile und Bolzen für Blasrohre oft vergiftet. Heute noch jagen die Buschmänner in Namibia und die Indianer am Amazonas mit vergifteten Pfeilen und Bolzen.

Und die Schußwaffen der Neuzeit haben das Projektil noch einmal verkleinert, aber die Geschwindigkeit erheblich erhöht. Nichtsdetotrotz ist ein modernes Jagdgeschoß prinzipiell nichts anderes, als ein mit chemischer Hilfe geworfener, angespitzter Stein.

Flinten und Büchsen

Diese beiden Begriffe werden in der Umgangssprache oft verwechselt. Deshalb zur Klarstellung: Eine Büchse ist ein Gewehr aus dem einzelne Geschosse durch einen gezogenen Lauf verschossen werden. Eine Flinte ist ein Gewehr, aus welchem Schrot oder großkalibrige Flintenlaufgeschosse durch einen glatten Lauf verschossen werden.

Ein gezogener Lauf hat innen eine schneckenförmige Vertiefung, durch welche das Geschoß in Rotation versetzt wird. Das Geschoß bekommt den sogenannten Drall, welcher die Flugbahn stabilisiert und genaue Schüsse auf große Entfernungen ermöglicht.

Schrot dient in erster Linie dazu, schnell bewegtes Wild sicher zu erlegen, also z.B. Enten, Gänse, Fasane und Hasen. Schrot wirkt anders als Kugeln auch dann tödlich, wenn viele Schrotkugeln gleichzeitig hart auftreffen ohne jedoch den Wildkörper zu durchschlagen. Man vemutet eine Nervenreaktion dahinter. In Deutschland ist der Einsatz von Schrot bei der Jagd auf Schalenwild, also Paarhufer wie Hirsche oder Wildschweine, verboten!

Flintenlaufgeschosse sind nicht drallstabilisiert und daher auf größere Entfernungen nicht sehr genau. Die effektive Reichweite beträgt etwa 50m.  In einigen Ländern ist noch heute, wie in der DDR, die Jagd mit Büchsen verboten. Deshalb gibt es heutzutage auch "Flinten" mit gezogenen Läufen, die eigentlich unter die Definition einer Büchse fallen und aus denen man kein Schrot verschießen sollte, aber man kann eben die für Flinten entwickelten Flintenlaufgeschosse verwenden. Durch die Züge und die damit verbundene Stabilisierung des Geschosses wird die effektive Reichweite etwa verdoppelt.

Im folgenden werden nur noch Büchsen und Büchsengeschosse behandelt.

Wirkung eines modernen Jagdgeschosses

In Deutschland ist die Jagd mit vergifteten Projektilen sowie mit Bogen und Armbrust verboten. Stattdessen sind für bestimmte Tierarten Mindestenergien für die Geschosse gesetzlich vorgeschrieben. Diese Energie wird in Joule angegeben und errechnet sich aus Masse (Gewicht) und Geschwindigkeit eines Geschosses.

Die Formel dafür lautet:

Energie in Joule = 0.5 * (Masse des Geschosses in kg) * (Geschwindigkeit des Geschosses in m/s)2

Ein Geschoß für das gängige Kaliber .308 Winchester (7,62mm) mit einem Gewicht von 11,6g = 0,0116kg und einer V100 (Geschwindigkeit nach 100m) von 650 m/s (Meter pro Sekunde) hat zum Beispiel eine Energie von:

0.5 * 0,0116 * 6502 = 0,0058 * 422500 = 2450,5 Joule

Damit erfüllt dieses Kaliber mit diesem Geschoß die gesetzlichen Anforderungen, welche für Rehe eine Mindestenergie von 1000 Joule und für alles andere Schalenwild, also Hirsche, Mufflons und Schwarzwild eine Mindestenergie von 2000 Joule vorschreiben.

Auch bei der Jagd sind wir dem Tierschutz verpflichtet und das bedeutet bei der Jagd, das Tier soll möglichst schnell sterben, wenn es getroffen wird. Um das zu erreichen muß möglichst viel von der Energie, die einem Geschoß mitgegeben wird, an den WIldkörper abgegeben werden. Abgegebene Energie entspricht Gewebs- und Gefäßzerstörungen. Durch die starke Blutung fällt der Blutdruck schlagartig ab, das Tier wird bewußtlos und verendet schnell.

Aufbau eines modernen Jagdgeschosses

Es gibt gerade in Hollywood-Filmen eine Menge Mythen zu Waffen, Geschossen und Wirkungen, auf die ich hier im einzelnen gar nicht eingehen will, außer insoweit, daß fast alles maßlos und vollkommen unrealistisch übertrieben wird. Ein größeres Kaliber mag als Waffe eines muskelbepackten Helden beeindruckender aussehen, aber es ist weder besser noch tödlicher als kleinere Kaliber. Zuallererst zählt der Treffersitz, in zweiter Linie der Geschoßaufbau und zuletzt das Kaliber, welches im wesentlichen für Faktoren wie die Flugbahn des Geschosses, die Eigengenauigkeit, die Anfangsenergie und die Reichweite zuständig ist.

Alle modernen Jagdgeschosse haben eins gemeinsam: Sie vergrößern nach dem Auftreffen auf den Wildkörper ihren Querschnitt, um mehr Energie abzugeben. Sie "pilzen auf". Zusätzlich stellen die meisten Geschosse sicher, daß zumindest ein Teil des Geschosses den ganzen Wildkörper durchschlägt (Ausschuß erzeugt), was im Falle einer Nachsuche wichtig ist und einige haben zusätzlich scharfe Kanten, um beim Aufschlag Haare abzutrennen (Schnitthaar), die dem kundigen Jäger zusammen mit dem Schweiß, der aus dem Ausschuß herausgeschleudert wurde ziemlich genau den Treffersitz verraten.

Die Querschnittsvergößerung wird entweder durch Sollbruchstellen im Geschoßmantel erzeugt, der sich dadurch in definierter Art und Weise aufrollt, oder durch einen weichen vorderen Geschoßkern, der sich durch die Wucht des Aufpralls verformt, verbreitert und die typische Pilzform ergibt.

Es gibt heutzutage eine sehr große Vielfalt unterschiedlicher Geschoßtypen, die jeweils in Hinblick auf ganz bestimmte Anwendungen entwickelt wurden. Das eine Geschoß, welches in allen Situationen und für alle Wildarten paßt, gibt es nicht, was auch nicht verwundert, wenn man sich allein die unterschiedlichen Größen und Gewebewiderstände nur des heimischen Wildes anschaut. Ein 20Kg Reh und ein 20Kg Wildschwein unterscheiden sich schon erheblich. Noch ganz anders sind ein 130 kg Hirsch oder ein 120kg Keiler aufgebaut.

Praktische Bedeutung für die Jagd

Wie schon gesagt, ist der Treffersitz letztlich die wichtigste Komponente der Ballistik einer Jagdwaffe. So gut wie jeder hat schon einmal den Begriff  "Blattschuß" gehört, der unbedingt tödlich sein soll.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Ein Blattschuß im engeren Sinn ist ein Treffer auf das Schulterblatt des Tieres. Wenn alles perfekt läuft, durchschlägt das Geschoß den Knochen und durchschlägt noch den Brustkorb, wobei es Herz und Lunge stark schädigt oder zerstört und meist zum schlagartigen Tod des Tieres führt. Wenn allerdings das Geschoß durch den Knochen zu stark zerstört oder gar abgelenkt wird, was sehr selten vorkommen kann, ist das sofortige Verenden nicht unbedingt gewährleistet. Mit modernen Jagdwaffen und Jagdgeschossen schießt man deshalb heute eher eine Handbreit hinter das Blatt. Dadurch wird ebenfalls der Brustkorb, in Jägersprache die Kammer, geöffnet, Herz und Lunge getroffen und die Lunge fällt in sich zusammen. Dieser Schuß ist genauso tödlich, zerstört aber weniger Fleisch als der eigentliche Blattschuß.

Literatur

Zeitler - Waffen und Kaliber

Rosenberger - Jagdgeschosse. Aufbau - Zielverhalten - Verwendung


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