Hunde und Jagd: Ein sehr umfangreiches Thema mit vielen unterschiedlichen Facetten. Dieser Artikel soll interessierten Nichtjägern ein Bild von Jagdhunden und der Jagd mit Hunden vermitteln.
Der Mensch hat in der langen Zeit der Zusammenarbeit mit dem Wolf eine Vielzahl von Hunderassen zu unterschiedlichen Zwecken gezüchtet. Der Jagdhund ist die älteste Form. Mit der Verwandlung der Jäger und Sammler zu Nomaden mit Viehhaltung und seßhaften Bauern kamen dann noch Herdenschutzhunde wie Kangals, Hütehunde wie Schäferhunde und Border Collies, Schutzhunde wie Dobermänner, Kriegshunde wie Mastinos und andere Molosser und auch Luxuxhunde wie Pekinesen oder Chihuahuas dazu.
Alle diese Hunderassen haben besondere Eigenschaften, die durch gezielte Auslese über viele Generationen hinweg herangezüchtet wurden. Die Menschen früherer Zeiten konnten sich meist den Luxus nicht leisten, Hunde als Haustiere zu halten, denn sie hatten selbst kaum genug zu essen. Nur Hunde, die ihre jeweilige Arbeit perfekt erledigten, waren von Wert und kamen in die Zucht. Viele erfolgreiche Zuchten sind bis heute an den Namen der Rasse gebunden. So zum Beispiel der Hannoveraner Schweißhund, der Weimaraner, der Mastino Napoletano, der Berner Sennenhund und der Rottweiler.
Bei der Jagd gab es schon früh Spezialisten, die sich gesichert mindestens in die ägyptische und römische Zeit zurückverfolgen lassen. Zum einen die sehr nasenstarken und ruhigen Leithunde, mit denen man das Wild aufspürte und dann die Hetzer und die Packer, große, starke Hunde, die das Wild festhalten sollten, damit die Jäger mit Speer und Schwert herankommen und es töten konnten. Die Jagd mit Bogen und Armbrust gab es auch, doch die Beute damit ist naturgemäß auf einzelne Stücke begrenzt, was aber bis ins Mittelalter nicht ausreichte, um den Fleischbedarf an den Adelshöfen zu decken. Nur in der Zusammenarbeit mit den Hundemeuten war es möglich, genügend Wildbret zu erbeuten.
Heute hat sich die Jagd natürlich verändert, aber immer noch sind Hunde bei der Jagd zwingend erforderlich und sogar vom Gesetz vorgeschrieben. Bei jeder Jagd auf Wasserwild, also meist Enten oder Gänse müssen geprüfte Hunde in ausreichender Zahl bereitgehalten werden und jedes Jagdrevier muß einen geprüften Hund nachweisen, der zu Nachsuchen auf verletztes Wild eingesetzt werden kann. Ob das Wild durch die Jagd selbst, durch den Straßenverkehr oder durch landwirtschaftliche Maschinen verletzt wurde, ist egal: es wird in jedem Fall nachgesucht.
Durch die Einführung des bürgerlichen Jagdrechtes durch die Revolution 1848 schrumpften die Jagdreviere und die Zahl der Jagdrechtsinhaber nahm zu. Dazu kam das Verbot der Hetzjagd, welches die schweren und oft vom Wild verletzten oder gar getöteten Packer überflüssig machte. Heute gibt es im wesentlichen 5 unterschiedliche Schläge von Jagdhunderassen:
Eigenschaften eines JagdhundesEin "echter" Jagdhund, also ein streng auf jagdliche Eigenschaften gezüchteter Vertreter seiner Rasse, unterscheidet sich heute schon oft von seinen eher auf Aussehen und Familienverträglichkeit gezüchteten Kollegen innerhalb der gleichen Rasse. Besonders bei den Retrievern, den Settern, den Weimaranern und den Teckeln sind die Unterschiede groß. Andere Rassen werden gar nicht an Nichtjäger abgegeben, wie z.B. die Hannoverschen Schweißhunde oder sind aus guten Gründen nur selten in Familien ohne jagdlichen Hintergrund anzutreffen, wie z.B. die Drahthaar oder die russischen Laiki.
Prinzipiell kann jeder Hund Beute machen. Der Unterschied zwischen einem wildernden Schäferhund oder Boxer und einem Jagdhund ist aber, daß letzterer nur selten tötet und immer für den Hundeführer jagt, nicht für sich selbst. Genauer: Bei Jagdhunden ist dieses Verhalten durch Vererbung angelegt und ist leicht zu wecken und nicht einfach zu verderben. Bei Nichtjagdhunden ist es nicht angelegt und sehr schwer bis unmöglich anzulernern.
Diese Hunde reißen Wild, wenn sie können, sehen es aber als ihre Beute und fressen es bei Gelegenheit auch an oder auf. Bei Jagdhunden ist die sogenannte Wildschärfe gefordert, d.h. sie sollen scharf und ohne lockerzulassen am Wild jagen und es nach Möglichkeit stellen, ohne es jedoch zu töten. Das soll möglichst immer dem Jäger vorbehalten sein. Anschneiden, der jagdliche Ausdruck für Anfressen der Beute, vergraben oder verstecken der Beute ist bei allen Prüfungen ein Ausschlußkriterium, d.h. diese Hunde können die Prüfung nicht bestehen, egal wie gut sie in allen anderen Fächern bewertet wurden.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der Arbeit vor und der Arbeit nach dem Schuß.
Die jagenden Hunde, also Bracken, Stöberhunde und nordische Jagdhunde, wie Laiki, Bärenhunde, und Elchhunde werden heute in aller Regel bei der Jagd auf größeres Wild, hauptsächlich Schwarzwild (also Wildschweine), eingesetzt. Sie sollen die Rotten finden, sprengen, damit die einzelnen Stücke in unterschiedliche Richtungen laufen und nach Möglichkeit auch einzelne Stücke stellen.
Vorstehhunde die wie schon gesagt heute oft auch als jagende Hunde eingesetzt werden, hatten ursprünglich die Aufgabe, Niederwild, also Hasen, Kaninchen, Wachteln, Rebhühner u.s.w. aufzuspüren und durch ihre Körperhaltung, das typische Vorstehen mit geradem Rücken und einem abgewinkelten Vorderlauf dem Jäger anzuzueigen ohne es von sich aus zu jagen.
Stöberhunde sollten kurz vor dem Jäger Wild aufspüren und hochmachen. Dies war besonders bei der Beizjagd, also der Jagd mit abgerichteten Greifvögeln vonnöten. Heute jagen sie eher weit und selbstständig und meist auf Hochwild.
Bauhunde sollen Füchse und Dachse aus dem Bau bringen. Sowohl Terrier (von frz. terre und lat. terra, Erde), als auch Teckel ("Dackel" bzw. Dachshunde) tragen ihre Aufgabe schon im Namen. Terrier werden heute aber auch oft als jagende Hunde eingesetzt.
Apportierhunde, aber auch geprüfte Hunde anderer Rassen mit entsprechender Größe werden nach dem Schu0 eingesetzt um erlegtes Federwild und Haarwild "einzusammeln" und dem Jäger zu bringen. Wenn eine geschossene Ente ins Schilf fällt, oder ein geschossener Hase im hohen Gras liegt, hat der Jäger nur schlechte Chancen, sie zu finden. Der Hund mit seiner feinen Nase ist da deutlich besser dran.
Auch bei einem perfekten Kammerschuß (Herz/Lunge) laufen manche Tiere noch einige Sekunden, bis sie endgültig fallen, vergleichbar den Hühnern, die auch ohne Kopf noch flattern. Wildschweine schaffen in dieser Zeit manchmal noch 100m und mehr, Rehe gelegentlich noch 20-100m. Auch wenn sich das nicht viel anhört: Je nach Gelände und Bodenbeschaffenheit ist es ohne Hund fast unmöglich, die erlegten Tiere zu finden und der sinnvollen Verwertung zuzuführen.
Nachsuchen gib es in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Zum einen die einfachen Totsuchen und Nachsuchen mit viel Schweiß. Schweiß ist für den Jäger das aus dem Wildkörper ausgetretene Blut. Die Hunde brauchen den Schweiß nicht, sondern orientieren sich an den Bodenverwundungen und Drüsensekreten des Wildes, aber der Jäger kann anhand von Schweißtropfen zum einen einigermaßen sicher feststellen, wo das Tier verwundet ist und außerdem auch überprüfen, ob er noch auf der richtigen Fährte ist.
Deutlich schwieriger sind Nachsuchen mit wenig Schweiß nur am Anfang oder ganz ohne Schweiß, wie es häufig bei Wildunfällen vorkommt, wo das Wild zwar schwerste innere Verletzungen hat, aber kein Blut austritt. Das sind Fälle für Spezialisten, also meist speziell für diesen Zweck gezüchtete Schweißhunde. Mit ihrer Ruhe und ihrer aufwendig ausgebildeten Nasenleistung können sie auch kleinste Unterschiede wahrnehmen und finden die Fährte des gesuchten Stückes in den allermeisten Fällen auch dann noch, wenn es jede Menge frischer Verleitfährten gibt. Da der Jäger oder Hundeführer keinen Schweiß sieht, muß er seinem Hund voll vertrauen können.
Davon sollte man im eigenen Interesse und auch im Interesse des Hundes Abstand nehmen. Bei Retrievern mag es noch gehen, weil bei vielen Zuchtlinien inzwischen der Jagdtrieb eher unterentwickelt ist, aber Hunde aus Arbeitszuchten sollte man besser Jägern überlassen, die den Hunden ein artgerechtes Ventil für die angeborenen Sinnesleistungen und die damit verbundenen Triebe geben können.
Wenn man sehr viel Zeit hat, kann man vielleicht den Hund durch Ersatzbeschäftigungen sinnvoll halten, aber das ist erfahrungsgemäß schwierig und viele Jagdhunde werden nach Erreichen der Geschlechtsreife leider abgegeben, weil die Halter mit ihnen nicht mehr zurechtkommen.
Noch schwieriger sind Hunde, die schon jagdlich ausgebildet sind, wo also der Jagd- und Beutetrieb nicht nur vorhanden ist, sondern gezielt gefördert und belohnt wurde. Es ist im Interesse von Hund und Familie nicht zu verantworten, diese Hunde an Nichtjäger abzugeben. Und sei es nur, weil der Hund bei jeder Gelegenheit ausbrechen und vielleicht sogar wildern wird.
Wenn dem Hund jedoch die seinen Anlagen enstprechende Arbeit geboten werden kann, sind die meisten Jagdhunderassen sehr familientaugliche Tiere, wachsam aber nicht aggressiv.