Gesellschaftsjagd, Treibjagd, Drückjagd

Treib- und Drückjagden sind Gesellschaftsjagden. Das heißt, eine größere Anzahl von Jägern, Treibern und Hunden - die Jagdgesellschaft - jagt gemeinsam. Dort, wo Straßen oder Wege im Spiel sind, kommt es oft zu Konflikten oder gar Unfällen, die mit etwas Hintergrundwissen leicht zu vermeiden sind.

Wie werden Gesellschaftsjagden durchgeführt?

Regional und je nach Gelände und bejagten Wildarten unterscheidet sich die Durchführung und genaue Bezeichnung erheblich, aber im allgemeinen wird ein bestimmter Bereich (das Treiben) von Jägern umstellt, das Wild durch Treiber und/oder Hundeführer aus diesem Bereich herausgetrieben oder -gedrückt und hoffentlich von den außen  stehenden Schützen erlegt, die nur nach außen schießen und nicht ins Treiben hinein. Treibjagden auf Fasane oder Hasen funktionieren anders, sind aber für Außenstehende auch nicht so relevant wie die großen herbstlichen Drückjagden, bei denen teilweise mehrere tausend Hektar auf einmal, mit mehreren Treiber- und Hundeführergruppen bejagt werden.

Bei diesen großen Jagden wird beim Anstellen der Schützen, also bei der Auswahl und Zuweisung ihrer Standorte, darauf geachtet, daß sich diese nicht gegenseitig und vor allem keine Außenstehenden gefährden. Besonders kritisch sind dabei öffentliche Wege und Straßen, die auf gar keinen Fall im Schußfeld eines Schützen liegen dürfen.

Wenn die Schützen angestellt sind, wird die Jagd angeblasen, entweder traditionell mit einem Hornsignal oder es geht zu einem bestimmten vereinbarten Zeitpunkt los. Die Treiberwehren oder Riegel durchkämmen das Gelände um das Wild zu beunruhigen, wobei sie die ganze Zeit Rufe von sich geben, um untereinander Kontakt zu halten und auch um ihren Standort anzuzeigen. Zusätzlich werden Jagdhunde in den Einsatz geschickt, welche das Wild direkt aufspüren und durch ihren Laut, also ihr Bellen, anzeigen sollen, wo sich dieses befindet. Mit etwas Übung kann man am Laut eines Hundes erkennen, welche Wildart er gefunden hat.

Gute Hunde und eingespielte Treiberwehren bringen das Wild recht schnell auf die Läufe, also in Bewegung, ohne es zu sehr in Panik zu versetzen, so daß es relativ langsam das Treiben verläßt und von den Schützen sicher angesprochen und erlegt werden kann. Wild "ansprechen" bedeutet in der Jägersprache nicht einen Wortwechsel, sondern das genaue Erkennen und Klassifizieren eines Tieres nach Art, Geschlecht, Alter und evtl. Gesundheitszustand.

Das ist besonders wichtig, weil der Jagdleiter meist nur eingeschränkte Freigaben erteilt, also nur Tiere bis zu einem bestimmten Alter oder einer bestimmten Größe zum Abschuß freigibt. Auch Geschlechtsunterschiede können wichtig sein. Das Fleisch von Keilern in der Rausche, also Paarungsstimmung, die im November/Dezember ihren Höhepunkt hat, hat beim Erhitzen einen widerwärtigen Geruch und gilt als für den menschlichen Verzehr nicht geeignet.

Warum werden Gesellschaftsjagden gemacht?

Die ersten beiden Absätze von  §1 des Bundesjagdgesetzes haben folgenden Wortlaut, Hervorhebungen von mir:

§ 1 Inhalt des Jagdrechts

(1) Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen (Wild), zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbunden.

(2) Die Hege hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen; auf Grund anderer Vorschriften bestehende gleichartige Verpflichtungen bleiben unberührt. Die Hege muß so durchgeführt werden, daß Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden.

Da viele Tierarten gerade in der modernen Kulturlandschaft erhebliche Vermehrungsraten erreichen, muß der Bestand jedes Jahr aufs Neue auf einen Stand gebracht werden, der sich mit Land- und Forstwirtschaft verträgt. Der massiv ausgeweitete Anbau der nachwachsenden Rohstoffe Mais (für Biogasanlagen) und Raps (für Biodiesel) kommt den Wildschweinen sehr entgegen, die den Mais fressen und im dichten Rapsfeld gute Deckung finden. In der Forstwirtschaft sind es besonders die Rehe, welche junge Schößlinge fressen oder mit ihrem Gehörn beschädigen, sowie Hirsche, welche auch ältere Bäume schälen und dadurch vernichten.

Auf der Einzeljagd, also dem Ansitz auf einem Hochsitz bzw. einer Ansitzkanzel oder -leiter, kann man auch beim besten Willen nicht die vorgegebenen Abschußzahlen erreichen, dafür aber besser selektieren. Bei Schwarzwild werden also die Abschüsse in der Jugendklasse (Frischlinge und schwache Überläufer, also 1-2jährige Tiere) eher auf den Gesellschaftsjagden gemacht, während die etwas kniffligen Abschüsse bei den erwachsenen Tieren eher bei der Einzeljagd gemacht werden. Wenn man bei der Einzeljagd ein Wildschwein beschießt, läuft natürlich die gesamte Rotte weg, während man bei einer Gesellschaftsjagd oft mehrere Frischlinge und Überläufer aus einer Rotte erlegen kann.

Was ist für Außenstehende bei Gesellschaftsjagden wichtig?

Als allererstes einmal gegenseitige Rücksichtnahme. Zwar darf einerseits niemandem ein Erholungsspaziergang verwehrt werden, aber andererseits ist absichtliche Jagdstörung eine Ordnungswidrigkeit, die mit empfindlichen Geldbußen geahndet werden kann. Sie sollten bedenken, daß sie sich in aller Regel auf fremdem Eigentum bewegen, welches unter anderem durch die stattfindende Jagd geschützt werden soll.

Spaziergänger

Sollten Sie also bei einem Spaziergang in Herbst oder Winter auf eine Jagdgesellschaft treffen, überlegen Sie genau, ob Sie unbedingt an diesem Tag zu dieser Uhrzeit genau diesen Weg benutzen müssen, oder ob nicht auch eine andere Route möglich ist. Die Jagd ist bei Einbruch der Dämmerung auf jeden Fall vorbei und am nächsten Tag können Sie dort nach Herzenslust wandern.

Je nachdem, wie Sie persönlich zu Jagd und Jägern stehen, können Sie durch ein persönliches Gespräch auch viel über das Umfeld, die Jagd und die Jäger erfahren. Niemand, auch Sie nicht, wird gern beleidigt oder beschimpft und so muß man sich auch nicht über unfreundliche Reaktionen wundern, wenn man Jäger als Barbaren oder gar Mörder bezeichnet.

Autofahrer

Wenn Sie an der Straße Posten oder Warnschilder sehen, welche auf Jagd, Treibjagd oder Drückjagd hinweisen, fahren Sie bitte noch vorsichtiger, als Sie dies beim Warnschild "Starker Wildwechsel" tun sollten.

Leider geben viele Autofahrer beim Anblick dieser Schilder erst recht Gas, weil Sie wohl Angst vor Schüssen haben und möglichst schnell durch den "gefährlichen Bereich" hindurchwollen. Dadurch werden jedes Jahr viele Unfälle mit Wild oder Jagdhunden verursacht, an denen in solchen Fällen allein der Autofahrer die Schuld trägt.

Jagden sind immer so angelegt, daß auf keinen Fall auf oder über eine Straße geschossen wird. Die Gefahr einer Kugel auf der Straße ist gleich Null. Real ist aber die Gefahr, auf flüchtendes Wild oder Jagdhunde zu treffen und ihnen durch überhöhte Geschwindigkeit nicht mehr ausweichen oder vor ihnen bremsen zu können. Auch Treiber oder Streckenposten wurden schon angefahren.

Bitte gehen Sie bei Jagden vom Gas.

Literatur

Böhm - Drückjagd auf Sauen. Planung - Durchführung - Organisation

Winsmann-Steins - Fesselnde Augenblicke der Jagd. Szenen der Drückjagd


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