Geldverdienen in Online-Spielen am Beispiel World of Warcraft (WoW)

Viele Spieler kennen das Problem. In Online-Spielen wie World of Warcraft ist das Gold immer zu knapp. Man strengt sich an, müht sich, aber es kommt einfach zu wenig herein. Auf der anderen Seite gibt es professionelle Farmer, die (Spiel-) Gold gegen echte Euros anbieten. Wie verdienen die soviel? Wie kann man überhaupt in Online-Spielen soviel Gold verdienen, daß man sich alle gewünschten Sachen auch leisten kann, ohne Gold von kommerziellen Anbietern zu kaufen? Ein Blick auf die grundlegenden Gesetze der Online-Wirtschaft hilft.

Der grundlegende Geldkreislauf in World of Warcraft.

Um zu verstehen, wie Reichtümer angehäuft werden können, hilft es, sich klar zu machen, wie überhaupt Geld ins Spiel kommt und wie es verschwindet.

Wie Gold und Geld ins Spiel kommen und verschwinden

Es gibt nur wenige Wege, wie tatsächlich Gold ins Spiel kommt:

  1. Questbelohnungen
  2. Verkäufe an NPC-Händler
  3. Beute, die direkt von besiegten Gegnern genommen wird.

Dies sind im Fall von World of  Warcraft tatsächlich alle Möglichkeiten, wie Geld in die Ökonomie des Spieles hereinkommt. Ähnlich spärlich sind die Wege, wie Geld aus dem Spiel herausgenommen wird.

  1. Käufe bei NPC-Händlern. Dies umfasst Reparaturen, Reittiere (Mounts), Verbrauchsmaterialien wie Munition, Nahrung und Getränke, Materialien für die Berufe, Taschenplätze in der Bank und was man sonst bei Händlern erstehen kann.
  2. Training für Klasse und Berufe
  3. Auktionshausgebühren

Nur so verschwindet das Geld wieder, dass mit den oben genannten Methoden verdient wurde.

Alle anderen Arten Geld zu verdienen oder auszugeben sind nur eine Umverteilung des Überschusses zwischen diesen beiden Listen. Dabei ist wichtig, zu bemerken, dass alle Spieler die ganze Zeit allein dadurch dass sie spielen und questen oder Instanzen abfamern Geld erzeugen. Wenn man das allein versucht wird man nicht reich und es ist langweilig. Aber die von allen 5000 Spielern pro Server erspielten Überschüsse summieren sich ganz schön.

Die Kunst des Spielbetreibers besteht darin, die Geldsumme die hereinkommt und die Geldsumme die aus dem Spiel genommen wird, so in der Waage zu halten, dass übermäßige Geldanhäufung und allgemeine Armut nicht stattfinden. Die Kunst des Spielers besteht darin, diese Mechanismen für sich auszunutzen und einen möglichst großen Anteil an der Umverteilung zu bekommen.

Wie verdient man Gold?

Die Möglichkeit, mit dem Verkauf an NPC-Händler reich zu werden, ist wie schon gesagt, die einfachste, aber gleichzeitig die langweiligste und langwierigste. Es geht. Man kann stundenlang bestimmte Oger oder Satyrn farmen, alles was man erbeutet an den nächsten Händler verscheuern und je nach Level ganz ansehnliche Sümmchen zusammenbekommen und sogar noch Erfahrungspunkte sammeln. Aber so richtig bringt es das nicht.  Besser ist es, am von allen Spielern zusammengespielten Kapital teilzuhaben und sich einen möglichst großen Batzen an der Umverteilung zu sichern. Das geht nur mit Handel zwischen den Spielern.

Die Rolle des Serveralters und die Spieler an denen man verdienen kann.

Auf einem neuen Server ohne Highlevel-Spieler kann man kein Geld durch Umverteilung verdienen, da nicht genügend Geld im Umlauf ist. Die beiden Hauptgruppen an denen man verdienen kann sind Twinks von Highlevel-Spielern und Raider.

Ein Level 70-Spieler kann sich 100 Gold recht einfach durch ein paar Daily-Quests holen und wenn er einen Twink hochlevelt kann er es sich leisten blaue oder epic Items zu kaufen, auch wenn Sie nur für ein paar Level gut sind. Da er das Spiel schon kennt, hat er keine Lust jede einzelne Instanz zig mal abzufarmen, um sich seine Sets zusammenzuspielen und nimmt auch andere gute blaue, da sein Ziel ist, schnell einen weiteren Level 70 Charakter zu haben. Es besteht also Bedarf an Taschen, Waffen, Rüstungen und Handwerkszubehör.

Raider haben besonderen Bedarf an Consumables, also Tränken, Buff-Futter und Fläschchen. Nebenbei auch noch an Gems.

 Einen kleinen Verdienst kann man auch noch von casual-Spielern ohne Raidgruppe oder aktive Gilder erzielen, da sie einiger der besseren blauen und verkaufbaren Epics aus dem AH holen.

Wie verkaufen?

  1. Über das Auktionshaus.
  2. Über das Auktionshaus.
  3. Über das Auktionshaus.

Alles andere ist ein viel zu hoher Zeitaufwand pro Goldeinheit. Statt sich eine Stunde im Trade-Channel zu langweilen, bis man sein mittelmäßiges Item losgeworden ist, kann man es auch ins AH stellen und weiterspielen. Die einzige Ausnahme sind natürlich die Dienstleister, also Enchanter (Verzauberer) und Crafter, die gegen einen Obolus mit den Materialien der anderen Spieler etwas herstellen.

Wenn man mit dem Auktionshaus arbeitet, ist das Auctioneermod fast unverzichtbar, da es den Markt analysiert und bei der Preisfindung hilft. Außerdem kann man das eine oder andere Schnäppchen machen.

http://auctioneeraddon.com/

Am einfachsten und schnellsten geht es, wenn man sich einen Charakter mit lvl 1 oder zwei macht, ihn mit Geld, Taschen und Bankfächern ausstattet und ihn als Allianzler in die Exodar und als Hordler nach Orgrimmar stellt, da dort die Wege am kürzesten sind. Bei jedem Einloggen kurz in den Handelscharakter gehen, die Datenbank des auctioneermods updaten, das Geld aus der Post holen und eventuelle vom Hauptcharakter neu eingetroffene Items ins AH stellen oder in die Bank legen. Alles, was man mit dem Hauptcharakter sammelt per Post an den Händler schicken und beim Ausloggen eventuell noch einmal kurz die Arbeitsliste des Händlers durchgehen.

Der Auctioneer ist auch bei Serverwechseln nützlich, da sich die Preisstruktur je nach Seite (Horde oder Allianz) und je nach Server erheblich unterscheiden kann. Er hilft dabei, zu hohe und zu niedrige Preise zu vermeiden und passt sich an wechselnde Preisstrukturen an. Ein paar nützliche Regeln:

  • Niemals um jeden Preis die anderen Anbieter unterbieten. Die zu billigen Sachen sind sehr schnell weg oder man kauft sie selbst auf und dann ist man selbst einer der günstigen Anbieter und macht einen angemessenen Gewinn.
  • Niemals vermeintliche Schnäppchen kaufen, die man nicht kennt. Meist hat es einen Grund, warum ein blaues oder epic-Item weit unter dem scheinbaren Preis angeboten wird. Das will nämlich niemand haben.
  • Bei selten gehandelten Items niemals auf den Auctioneer vertrauen. Einige Spieler stellen Items absichtlich einige Male mit viel zu hohen Preisen ein, um sich dann selbst um 50% zu unterbieten und damit ein scheinbares Schnäppchen zu erzeugen.
  • Items die man dreimal ohne Erfolg im AH hatte, an den Händler verkaufen, um die Verluste zu mindern. Allerdings braucht man dabei Fingerspitzengefühl. Manchmal ist der Markt einfach gesättigt und man wird die Sache später zu einem ordentlichen Preis los. Manchmal ist das Item einfach Schrott.

Welche Berufe?

Am Anfang immer Sammelberufe, also z.B. Mining (Bergbau) und Skinner (Kürschner) oder Blümchen sammeln (Herbalist/Kräuterkunde). Damit ist es auf nicht zu jungen Servern relativ einfach möglich bis Level 40 schon ein paar hundert Gold zu sammeln und akzeptabel ausgestattet zu sein.

Für alle Sammler ein MUSS ist das Gathereraddon, welches einmal besuchte Ressourcenknoten (Metall und Blümchen) abspeichert und in der Minimap anzeigt.

http://gathereraddon.com/

Dann steht man vor der Gretchenfrage, ob man einen verarbeitenden Beruf ergreifen will, oder nicht. Am meisten Geld kann man nach wie vor mit den Sammelberufen machen, aber das ist auf Dauer nicht so spannend. Wenn man einen verarbeitenden Beruf ergreifen will, sollte man aber darauf achten, daß man seine eigenen Rohstoffe weitgehend selbst sammeln kann.

Die folgende Tabelle zeigt die sinnvollen Kombinationen:

Lederverarbeitung/Gerben Kürschnerei
Alchemie Kräuterkunde
Verzauberer, Schneiderei egal
Juwelenschleifer, Schmiedekunst, Ingenieur Bergbau

Wie man sieht, sind 3 Berufe direkt oder indirekt vom Bergbau abhängig und bei zwei Berufen ist der zweite egal, da man die Materialien automatisch sammelt. Bei den Verzauberern alle Items ab grün und bei den Schneidern den Stoff, den die humanoiden Monster ohnehin fallen lassen.

Man kann sich mit dem Erlernen eines Verarbeitenden Berufes problemlos bis Level 70 Zeit lassen, da man als Highlevel die für die Ausbildung benötigten Materialien problemlos farmen oder im AH kaufen kann. Auf hohem Level sind die lohnendsten Berufe wohl der Juwelenschleifer und der Alchemist, in geringerem Ausmaß auch der Verzauberer, da es sehr viel Zeit benötigt, den Ruf bei den verschiedenen Fraktionen so weit zu steigern, daß man an die besten Rezepte kommt und der Ingenieur, dessen Waren aber ehen "nice to have" als wirklich wichtig sind. Schmiede und Gerber haben das Problem, daß sie nur sehr sehr wenige Rezepte haben, die sie wirklich gewinnbringend verkaufen können, da Items aus den heroischen Instanzen und den Raidinis einfach besser sind.

Ich hoffe, damit einigen geholfen zu haben.

Gold kaufen?

Wenn man einigermaßen auf Draht ist, ist das nicht nötig. Der Vorwurf, daß kommerzielle Goldverkäufer die Preise auf einem Server in die Höhe treiben stimmt allerdings nur bedingt. Zum einen geben die meisten Spieler gekauftes Gold für Geldsenken wie Reittiere aus und zum anderen ist es zwar richtig, daß man unter Umständen mehr Geld für bestimmte Waren bezahlen muß, weil die Preise steigen, aber auf der anderen Seite bekommt man eben auch mehr, wenn man genau diese Waren selbst herstellt. Ich fand es nie nötig, Gold zu kaufen und habe eher von den Goldkäufern profitiert, weil sie mir für meine Rohstoffe und Waren mehr bezahl haben. Aber je nach Beruf und Spielweise mag das anders aussehen.

World of Warcraft - Battlechest (DVD-ROM)


Bookmark and Share