Nachbarschaftshilfe ist gefragt

Könnten Sie mir bitte helfen? Für viele Menschen ein schwerer Satz! Ehe sie fragen, versuchen sie, es selber zu machen. Warum eigentlich? Sollte man nicht auch Hilfe annehmen lernen? Auch ohne dass etwas dafür gezahlt werden muss?

Durch meine Pensiongäste habe ich Einblick in die ehemalige DDR bekommen. Damals half jeder jedem.

Da keiner etwas hatte, wurde aus Nichts etwas gemacht. Ich habe es auch in der Türkei erlebt. Aus 3 alten Autos wurde ein fahrbereites Auto hergestellt.

Wer mit einer Körperbehinderung zu kämpfen hat, wird mich verstehen. Wie soll eingekauft werden? Wie komme ich zum Arzt? Wer geht mit meinem Hund Gassie? Wer fährt mich zum Haareschneiden? Wer könnte meine Fenster putzen? Auch für die Gartenarbeit brauche ich eine Hilfe.

Woher nehmen und nicht stehlen? Ich kann nur aus meiner Erfahrung berichten. Meine Nachbarinnen sind schon weit in der Siebzigern. Zum Teil haben sie kein Auto. Sie leben alleine. Sie hatten eine Operation, danach konnten sie nicht laufen und verzweifelten daran.

An die alten Mitbürger wird leider nicht gedacht. Geschäfte werden geschlossen. Die Wege können nur mit dem Auto zurückgelegt werden. Der Bus bringt nur die Schulkinder in die Stadt. Danach ist bis Mittag kein Fahrbetrieb mehr. Da wir im Tal unten leben, ist der Fußweg zum Gemeindekern nur sehr mühsam, über zwei steile Straßen, zu erreichen. 

Da die eine Nachbarin zur Zeit ihr Knie gesplittert hat, kann sie auch nicht mit dem Rad fahren. Was nun ?

Wir haben eine Nachbarschaftschilfe! Es ist nichts offizielles. Aber wenn ein Weg abgenommen werden kann, ist man sehr dankbar !

Ich frage mich nur, was im Rathaus gedacht wird? Ein kleiner EDEKA für über 8000 Einwohner? Klar, im Umland gibt es weitere Geschäfte. Aber ohne eine Fahrtmöglichkeit ist man ausgegrenzt.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, was Sie wo kaufen können ? Bei einer Grippe zum Beispiel ? Würde ein Nachbar Sie versorgen ? Wenn Sie eine Familie haben, wird sich die Frage nicht stellen. Aber was ist in ein paar Jahrzehnten? Kästen mit Getränken wird man sich dann liefern lassen müssen. Was auch extra Kosten verursacht. 

4 Briefkästen wurde Ersatzlos entfernt. Der uns nächste Kasten ist an einer Ecke angebracht, wo nicht geparkt werden darf. Im gesamten Kreuzungbereich ist absolutes Halteverbot ! Wer nimmt mich zur Post mit ? Hilfe!

Sie werden nun vielleicht schmunzeln. Sie haben gesunde Knochen. Genügend Geld. Um auch einmal ein Taxi zu bezahlen. Wenn unser Bus nicht fährt und man hat einen Arzttermin, sieht die Sache schon wieder anders aus. Mit 10 € ist man pro Fahrt dann schon dabei. Innerlich am AusFlipper.

Das waren meine Gedanken zur Nachbarschafthilfe. Kennen Sie Ihre Nachbarn ? Wissen deren Namen ? Haben von Ihren Sorgen schon etwas mitbekommen ? Schön, dann wissen Sie ja, was ich meine...

Durchschnitt: 4 (2 Bewertungen)

Bookmark and Share