Die Jägerprüfung wird oft auch als "das grüne Abitur" bezeichnet. Was gehört zur Ausbildung, wie wird man geprüft und welche Möglichkeiten gibt es, den Jagdschein zu machen?
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Mit der Jagd hängen mehrere große Themengebiete zusammen, die weit über den rein zur Jagd mit der Waffe benötigten Umfang hinausgehen. Die Jagd ist in die Land- und Forstwirtschaft eingebettet und die Jagdverbände gehören zu den großen Naturschutzverbänden in Deutschland, die bei Baurvorhaben gehört werden, welche Umwelt und unsere wildlebenden Tiere betreffen. Durch das Führen von Schußwaffen außerhalb abgeschlossener Schießstände tragen Jäger eine hohe Verantwortung und die Jagd betrifft auch mehrere Rechtsbereiche, die zumindest in den Grundzügen beherrscht werden müssen.
Die Themengebiete mit beispielhaften Unterpunkten und ohne jeweils Vollständigkeit beanspruchen zu können im einzelnen:
Die Hege des Wildes und seiner Lebensgrundlagen.
Grundlegendes Wissen um Landwirtschaft und Bodennutzung. Wichtig unter anderem für wirksame Biotopverbesserungen und auch für die richtige, Wildschäden verhütende, Bejagung.
Biologie, Geschichte und waidgerechte Bejagung der verschiedenen Wildarten unter Berücksichtigung der biologischen und ethischen Erfordernisse.
Haarwild
Neben der sehr umfangreichen Theorie findet natürlich auch eine praktische Ausbildung statt. Der Umfang variiert, mehr dazu bei den unterschiedlichen Möglichkeiten der Ausbildung.
Was jedoch immer stattfindet ist die Vertiefung der Theorie durch Reviergänge, die praktische Vertiefung der Waffenkunde und der Sicherheitsmaßnahmen und natürlich die praktische Schießausbildung mit Flinte (meist Tontaubenschießen als Skeet oder Trap) und Büchse.
Die Jägerprüfung mit zugehöriger Prüfungsordnung ist Sache der Länder, und so unterscheiden sich Durchführung und Anforderungen bundesweit geringfügig. Allen gemeinsam ist, daß es eine amtliche Prüfung ist, die von der örtlich zuständigen Unteren Jagdbehörde der Stadt oder des Landkreises durchgeführt wird. Zur Prüfung zugelassen werden nur unbescholtene und nicht vorbestrafte Bürger ab 16 Jahren. Mit 16 Jahren kann man einen sogenannten Jugendjagdschein erwerben, welcher zur Einzeljagd unter Aufsicht eines volljährigen und erfahrenen Jägers, nicht jedoch zur bewaffneten Teilnahme an Gesellschaftsjagden berechtigt. Mit 18 Jahren bekommt man den normalen Jagdschein.
Die eigentliche Jägerprüfung unterteilt sich in der Regel in 4 Abschnitte.
Es gibt im wesentlichen zwei Möglichkeiten, die Jägerausbildung zu durchlaufen und den Jagdschein zu machen: Eine kommerzielle Jagdschule oder die örtlichen Jägerschaften. Beide sollen im folgenden mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt werden.
Kommerzielle Jagdschulen machen nichts anderes, als Jägerazubis schnell und kompakt auf die Prüfung vorzubereiten. Die Angebote sind vielfältig, was Preis- und Zeitgestaltung angeht. Vom Fernkurs mit einigen Intensiv-Wochenenden in den Schulungsräumen des Unternehmens, bis hin zu 2-wöchigen Intensivkursen mit Unterricht von morgens bis abends. Der Unterricht wird in der Regel von Berufsjägern und anderen Fachleuten gehalten.
Diese dauern in der Regel 6-9 Monate, sind von den Kursgebühren her günstiger, aber durch den 2-3 maligen wöchentlichen Unterricht in aller Regel in etwa genauso teuer, wie eine Ausbildung an einer Jagdschule. Meist trifft man sich an 1-2 Abenden in der Woche zum Theorieunterricht und am Wochenende wird praktisch gearbeitet, also Schießunterricht, Reviergänge, Exkursionen und Teilnahme an herbstlichen Jagden als Treiber. Der Unterricht wird in der Regel von engagierten Mitgliedern der jeweiligen Jägerschaften gehalten, welche meist, aber nicht immer, auch von Berufs wegen Fachleute im jeweiligen Gebiet sind (Förster, Tierärzte, Landwirte, Schlachter...)
Wer schon in einer Jägerfamilie aufgewachsen ist und von klein auf Kontakt zu Jägern und Jagd hatte, ist mit der Ausbildung in einer Jagdschule bestens bedient. Für Quereinsteiger ist diese Art der Ausbildung zwar ebenfalls zeitsparend, sie wachsen jedoch nicht "in die Jagd hinein", wie dies bei den Kursen der Jägerschaften der Fall ist. Durch die lange Zeit der Ausbildung und den Kontakt mit vielen verschiedenen Leuten kann man eher wohnortnahe Kontakte zu Jagdkameraden und -kameradinnen knüpfen, als in dem doch eher abgeschlossenen Biotop der Jagdschulen.
Das Zeitargument ist eher zweitrangig. Wer nicht genug Zeit für die Jägerprüfung hat, hat auch nicht genug Zeit für eine Jagd und wird Zeit seines Jägerlebens auf die gelegentliche, bezahlte Teilnahme an staatlichen oder privat-kommerziellen Jagden angewiesen sein.
In der Kürze der Zeit können in Jagdschulen im wesentlichen nur die prüfungsrelevanten Inhalte vermittelt werden, diese aber eben sehr intensiv und kompetent. Diese Inhalte sind auch schon umfangreich genug, aber umfassen eben doch nicht das ganze Gebiet der Jagd und auch in der Praxis haben Jagdschulen einige prinzipbedingte Probleme.
Bei gut geführten Jägerschaftskursen in engagierten Hegeringen und Kreisjägerschaften können die Kursteilnehmer in aller Regel an mehreren herbstlichen und winterlichen Jagden teilnehmen und dort nicht nur Jagdluft schnuppern und gelebtes Brauchtum erfahren, sondern eben auch das praktische Bergen und Versorgen von Wild lernen. In einer Jagdschule, besonders wenn die Kurse nicht in der winterlichen Jagdzeit liegen, dürfte es technisch schwierig sein, jeden Kursteilnehmer einmal ein Stück aufbrechen zu lassen und praktische Erfahrungen bei der Beurteilung der inneren Organe zu sammeln.
Durch die lange Zeit haben die Kurse der Jägerschaften den Vorteil, daß erheblich mehr interessante Informationen vermittelt werden können, als für die Prüfung allein notwendig sind. Oft bekommt man auch die Gelegenheit, bei Ansitz am Morgen oder Abend bei einem erfahrenen Jäger mitzugehen und man kann von der Erfahrung der Ausbilder und Waidgenossen ganz anders teilhaben, als dies bei einer Intensivschulung der Fall ist.
Letztlich ist es natürlich jedem selbst überlassen und jeder wird die genannten Punkte anders bewerten, ich hoffe jedoch, einige nützliche Hinweise gegeben zu haben. Besonders wichtig ist es, sich nicht nur am Preis, sondern besonders an der Leistung zu orientieren. Wenn man Wert auf den praktischen Teil der Ausbildung legt, ist man bei einer Jägerschaft nicht automatisch besser bedient, als bei einer Jagdschule. Man muß die jeweils zuständigen Personen fragen und besonders auch danach, was genau geboten wird. In jedem Fall ist eine Ausbildung im Herbst/Winter vorzuziehen, weil nur dort überhaupt praktische Erfahrungen gesammelt werden können. Und niemand sollte sich hindern lassen, beim örtlichen Jagdverband oder Hegering nachzufragen, ob und wie man sich bei der Jagd beteiligen kann.
Einige Bücher, die auch in der Jägerausbildung genutzt werden. Die Links führen direkt auf die Seiten bei Amazon.de, wo es nähere Informationen und Abbildungen zu den einzelnen Titeln gibt.
Krebs - Vor und nach der Jägerprüfung
Krebs - Vor und nach der Jägerprüfung. Über 5000 Prüfungsfragen
Blase - Die Jägerprüfung. Das Lehr-, Lern- und Nachschlagewerk für Ausbildung und Praxis
Blase - Prüfungsfragen und Antworten zur Jägerprüfung. Mit Schlüssel zur Wissensüberprüfung