In den Medien wurde schon des öfteren über böse Auslandsjäger berichtet, die in Afrika, Alaska, Rußland oder Polen Rekordtrophäen für den heimischen Kamin erbeuten und dabei rücksichtslos alles abknallen, was genügend Geweih, Gehörn, Zähne, Krallen oder Fell zu bieten hat. Stimmt dieses Bild über Jagdreisen eigentlich? Einige Fakten.
Wir als Europäer finden die Wildnis in anderen Ländern malerisch und die Tierwelt ist beeindruckend. Aber was halten die Einheimischen davon? Warum müssen afrikanische Staaten gigantische Freiluftzoos unterhalten, während wir auf unser Eigenheim und unseren Lebensstandard nicht verzichten möchten, für den in Deutschland täglich etwa 80 Hektar boden netto versiegelt werden? Für afrikanische Bauern und Viehzüchter sind Elefanten und Löwen nicht malerisch, sondern große und gefährliche Schädlinge, die ganze Ernten vernichten können und das kärgliche Vieh reißen. Direkte Nahrungskonkurrenten, also wurden und werden die Tiere gnadenlos verfolgt.
Tiere unter Schutz zu stellen reicht allein nicht aus. Kein deutscher Familienvater würde tatenlos zusehen, wie seine Kinder verhungern, während ein Elefant die Ernte frißt und niedertrampelt. Warum sollte ein afrikanischer Familienvater anders handeln? Tierschutz geht nur dann wirklich nachhaltig gut, wenn die Tiere selbst das Überleben der Reservate oder Dörfer garantieren. Wenn der Nutzen der Tiere groß genug ist, werden sie automatisch geschützt, denn: Der Mensch schützt, was er nützt.
Dies haben auch der WWF und die Internationale Artenschutzkommission erkannt: Eine nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen trägt zu deren Erhalt und zur Entwicklung der betroffenen Länder bei.
Zur nachhaltigen Nutzung gibt es heute im wesentlichen zwei Wege:
Während erstere Möglichkeit eine sehr schlechte Presse hat, wird die zweite von unseren einheimischen Naturbewegten unerbittlich in den Himmel gelobt. Aber was ist dran am "sanften Tourismus"?
Wem kommt das Geld zugute, welches die unterschiedlichen Arten des Tourismus ins Land bringen?
Die Nationalparks in Afrika, um bei diesem Beispiel zu bleiben, sind meist vollkommen überbevölkerte Biotope, die ohne medizinische Versorgung, Zufütterung und massives aber heimliches Culling, also den Abschuß von Tieren, nicht auskommen. Die Lodges und Hotels sind fest in der Hand ausländischer Investoren. Das Personal ist auch in der Regel nicht lokal rekrutiert. Die Touristen in den offenen Jeeps, bewaffnet mit Fotoapparaten und Videokameras bezahlen für ein Erlebnis, welches lediglich räumlich etwas größer ist, als die Safariparks in Deutschland und sich ansonsten wenig unterscheidet. Von dem ganzen Geld bleibt aber nur sehr wenig bei der einheimischen Bevölkerung vor Ort. Die hat lediglich die Folgen des Massentourismus, wie z.B. steigende Preise auch für Grundnahrungsmittel und eine Zunahme der Kriminalität zu tragen, ohne viel dafür zu bekommen, wenn es nicht gerade ein Dorf ist, in dem "original Eingeborenentänze" nach Terminplan aufgeführt werden.
Diese Dinge sind alle nicht schlecht und ich gönne den Reisenden von Herzen schöne Erinnerungen, nur tragen sie eben nicht annähernd so sehr zum Natur- und Artenschutz bei, wie einige Hochglanzbroschüren glauben machen möchten. Aber das ist schließlich auch nicht ihre Aufgabe.
Im Unterschied dazu sind Jäger in der Rägel Individualtouristen oder treten in kleinen Gruppen auf, wohnen vor Ort und zahlen erhebliche Summen an die lokalen Wildbehörden, die damit unter anderem die Wilderei bekämpfen. Wo keine legale und bezahlte Jagd stattfindet, fehlt oft das Geld Wildhüter einzustellen und die Bestände zu schützen. Und es sind nicht nur die Wildhüter, sondern auch die potentiellen Wilderer, die Bauern vor Ort, deren Herden und Felder von Wildtieren bedroht sind, die dann mithelfen können, Natur und Tierwelt zu schützen. Wenn sie den Abschuß des Elefanten an einen verschwitzten Europäer oder Amerikaner verkaufen können und dieser Abschuß ihnen mehr bringt, als die Schäden die eben dieser Elefant in den Feldern anrichtet, werden sie ihn nicht vergiften und auch nicht wildern, sondern hüten, wie ihren Augapfel.
Der Nutzen für das Dorf ist nicht nur das Abschußentgelt. Was in den meisten Berichten über die Auslandsjagd untergeht ist die Tatsache, daß das Fleisch der erlegten Tiere direkt an die Menschen vor Ort verteilt und von ihnen verwertet wird.
In Namibia sind durch dieses Geschäftsmodell sehr viele Jagdfarmen mit einer zusammengenommen gewaltigen Fläche entstanden. Vorher, als diese Art der Nutzung nicht möglich war, wurden die Raubtiere von den Viehhaltern gnadenlos verfolgt und waren fast ausgerottet. Inzwischen haben sowohl Leoparden, als auch Geparden im Bestand wieder zugenommen, weil die Farmen die Verluste an den Herden durch die Einnahmen aus der Jagd mehr als wettmachen können.
Die legale und organisierte Jagd ist ein wertvoller Beitrag zum Natur- und Artenschutz überall auf der Welt. Sie hilft, die Wilderei einzudämmen und trägt zur Entwicklung derjenigen Gebiete bei, die direkt mit den Folgen der Wildtierpopulationen leben müssen. Und das nicht nur in den ärmsten Ländern, sondern z.B. auch in Europa, wo sie z.B. dazu beiträgt, die Wildpopulationen in Ungarn, Polen und Tschechien zu erhalten. Und auch in Deutschland tragen die bezahlten Abschüsse in den Staatsforsten nicht unerheblich dazu bei, die Schäden, die durch Rot- und Rehwild im Bestand verursacht werden zu kompensieren und die Defizite in der Forstwirtschaft zumindest zu verkleinern.
Wenn die nachhaltig bejagbaren Populationen der Tiere in Afrika über viele Jahre hinweg starke Trophäen für zahlungskräftige Ausländer hergeben, so ist dies auch ein Zeichen für eine gesunde und der jeweiligen Umwelt angepaßte Populationsdichte. Nur gesunde Bestände erlauben starke Trophäenträger und nur in einer gesunden Umwelt gibt es gesunde Bestände.
Ob es nun dem eigenen Geschmack entspricht oder nicht, wem es wirklich um den Erhalt der Artenvielfalt geht, der kommt an der Jagd als einem wichtigen Beitrag nicht vorbei. Ein rein konservativer Naturschutz hat keine Chance, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Wenn es auch verführerisch sein mag mit Bildern süßer Tiere bei bestem Wetter oder aus dem Zusammenhang gerissener Bilder von Auslandsjagden Stimmung zu machen und Spenden zu sammeln: Im Interesse unserer gemeinsamen Zukunft ist dies nicht hilfreich - und ganz besonders nicht für die Lebensräume der Tiere und die Tiere selbst.
Lechner - Fesselnde Augenblicke der Jagd. Szenen der Drückjagd
Lechner - BLV Handbuch der Auslandsjagd. Jagdreisen weltweit
Kersten - Nguruma. Die Stimme des Löwen